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Vorspann der TV-Serie "St. Pauli Landungsbrücken"

St. Pauli Landungsbrücken

In den Jahren zwischen 1979 und 1982 hat Studio Hamburg für den NDR diese wunderbare Serie mit Geschichten über „kleine Leute“ gedreht, die immer wieder im ARD-Vorabendprogramm und erstmalig am 9. November 1979 ausgestrahlt wurde.

Vorspann der TV-Serie "St. Pauli Landungsbrücken"
Vorspann der TV-Serie „St. Pauli Landungsbrücken“

In 60 Episoden macht man als Zuschauer eine Reise in eine Zeit die mit heute in so vielen Punkten nicht mehr vergleichbar ist. Lebensgewohnheiten, Moralvorstellungen, Arbeitswelten und Technik zeigen sich hier mit dem Stand Ende der 1970er Jahre.

Legendär ist alleine schon das zu jeder Folge gehörende Intro mit der durch die Mundharmonika norddeutsch angehauchten Titelmelodie von Günther Ress im „Philly-Sound“ dieser Zeit. Dazu die bedeutungsschwanger vorgetragenen Worte des Off-Sprechers:

Landungsbrücken … Tor zur Welt … Aber auch Schnittpunkt von Bahn und Straße, Bus- und Schiffslinie … Durchgangsstation für Touristen … und viele Menschen, die im Hafen arbeiten … unterschiedliche Schicksale … unterschiedliche Geschichten, die im Häusermeer der Großstadt oft im Verborgenen bleiben.

Szenenfoto aus der TV-Serie "St. Pauli Landungsbrücken"
Szenenfoto aus der TV-Serie „St. Pauli Landungsbrücken“

Das diese Serie seinerzeit in zwei Staffeln produziert wurde, merkt man an einigen Punkten. In der ersten Staffel haben nahezu alle Folgen einen teilweise recht deutlichen sozialkritischen Hintergrund. Viele Geschichten thematisieren die damaligen Moralvorstellungen und Rollenbilder sehr deutlich. Da war es wichtig, was die Nachbarn denken, der Mann brachte das Geld nach Hause und die Frau kümmerte sich um Küche und Kinder und sollte besser nicht arbeiten gehen, denn das was der Mann nach Hause bringt reicht ja schließlich… Frauen die sich selbst verwirklichen oder nur etwas dazu verdienen wollten, sind immer wieder Thema der Folgen.

Szenenfoto aus der TV-Serie "St. Pauli Landungsbrücken"
Szenenfoto aus der TV-Serie „St. Pauli Landungsbrücken“

Viele der Geschichten handeln von Problemen mit Arbeit und Jobsuche und zeigen das Milieu der „kleinen Leute“ die hart im Hafen arbeiten oder noch auf der Suche nach Ihrem Glück zwischen Reeperbahn und Landungsbrücken im Stadtteil St. Pauli sind. Auch die Beziehungen der Menschen untereinander, Kindererziehung und Zukunftsperspektiven der Leute spielen immer wieder eine Rolle.

In der zweiten Staffel hingegen wird auch ab und zu mal gelacht und manche Folgen sind vom Thema her mit etwas mehr Humor bedacht. Grundsätzlich ist die Serie ab diesem Moment deutlich weniger sozialkritisch und dafür mehr unterhaltend angelegt. Während in der ersten Staffel alle Folgen mit der vollständigen Titelmusik enden, wird in der zweiten Staffel die Musik nach Ende des Abspanns ausgeblendet.

Ergänzt wird diese Zeitreise immer wieder durch die Erfolge der Hitparaden jener Tage. Denn da die Serie damals vollkommen aktuell war, erscheinen bei entsprechenden Szenen im Hintergrund immer wieder die Hits dieser Zeit (oder wie man damals auch noch sagte: „Gassenhauer“). Von den Bee Gees und „Stayin`Alive“ über Marshall Hain mit „Dancing in the cit“y bis Rod Stewart und „Da ya think I´m sexy“ ist alles zu hören was damals top aktuell war.

Rollen und Darsteller

Die Liste der Darsteller der Serie liest sich wie das Who-is-who der 1970er und 80er Jahre. Neben vielen Schauspielgrößen der damaligen Zeit wurden einige Rollen an damals noch relativ unbekannte Darsteller vergeben. Heute sind dies wiederum Namen, die in aller Munde sind oder waren. So zum Beispiel:

Evelyn Hamann, Helga Feddersen, Witta Pohl, Uwe Friedrichsen, Jan Fedder, Diether Krebs, Klaus Löwitsch, Sabine Kaack, Edgar Bessen, Arthur Brauss, Hans Peter Korff, Günter Strack, Lutz Mackensy, Edgar Hoppe, Barbara Sukowa, Sigmar Solbach,
Claus Theo Gärtner, Elisabeth Volkmann, Iris Berben, Günther Maria Halmer,
Uwe Ochsenknecht, Helmut Zierl, Bill Mockridge, Volker Brandt, Matthias Ponnier und viele viele mehr.

Szenenfoto aus der TV-Serie "St. Pauli Landungsbrücken"
Eva Maria Bauer und Inge Meysel

Die einzigen beiden Hauptrollen der Serie verkörpern  Inge Meysel, die die Blumenverkäuferin Gretchen Ebelmann spielte. Ihre Schwester Lenchen Ebelmann, dargestellt von Eva Maria Bauer, kam ebenfalls in elf Episoden vor.

Als „Runing-Gag“ wird in vielen Folgen immer wieder von Passanten vermutet, dass Gretchen Ebelmann einer berühmten Schauspielerin ähnlich sieht (Inge Meysel natürlich, die aber namentlich nie genannt wird).

Alle Folgen sind in sich abgeschlossen und haben keinen Bezug zu anderen Episoden. Daher war es möglich einige wenige Schauspieler mehrfach in verschiedenen Rollen einzusetzen.

Fazit

Wer Hamburg kennt oder gar liebt, wer den Hafen mag und Geschichten kleiner Leute aus einer anderen Zeit, der wird diese Serie definitiv lieben!

Das wirklich schöne ist, dass alle Szenen an Originalschauplätzen gedreht wurden. Im Hintergrund sieht man immer wieder Straßenschilder der Drehorte und kann so die Stadt Hamburg in einer anderen Zeit entdecken.

Szenenfoto aus der TV-Serie "St. Pauli Landungsbrücken"
Die Speicherstadt Hamburg 1979

Auch zeigt die Serie sehr gut wie Hamburg sich optisch verändert hat seit damals. Einige Folgen spielen z.B. in der Speicherstadt die damals noch voll in Betrieb und noch lange kein „Touristenmagnet“ war. Auf den Straßen liegen noch die Schienen der ein Jahr vor Drehbeginn eingestellten Hamburger Straßenbahn, VW Käfer, 1er Golf und Ford Taunus sind die Fortbewegungsmittel der Menschen und telefoniert wird entweder aus der Telefonzelle oder mit dem Wählscheibentelefon.

Szenenfoto aus der TV-Serie "St. Pauli Landungsbrücken"
Szenenfoto aus der TV-Serie „St. Pauli Landungsbrücken“

Die Landungsbrücken in Hamburg sind natürlich der zentrale Drehort der Serie. Gretchen Ebelmann verkauft hier ihre Blumen und die Protagonisten fahren morgens und Nachmittags in der Barkasse über die Elbe in den Hafen zum Arbeiten in den Werften oder Fabriken. Die allermeisten Folgen spielen jedoch in der Regel an eher touristisch unbekannten Orten und kleineren Seitenstraßen. Der Hauptbahnhof ist in einigen Folgen zu sehen, lange bevor dieser in den 1990er Jahren umgebaut und um die Wandelhalle ergänzt wurde. Das Lokalkolorit der Serie zeigt sich aber auch im Hamburger Dialekt der an vielen Stellen ganz unverblümt gesprochen wird.

St. Pauli Landungsbrücken auf DVD

Die Serie ist komplett in zwei DVD-Boxen mit je vier DVDs 2009 und 2010 erschienen. Die DVD-Boxen haben jeweils eine Laufzeit von 750 Minuten und sind als FSK 6 freigegeben. Eine weitere Box mit acht DVDs, die alle 60 Folgen enthält, wurde am 12. Januar 2018 von der Firma Pidax veröffentlicht. Specials oder sonstige Zugaben sind auf den DVDs leider nicht enthalten.

Der hier gezeigte Trailer wurde zur Erstveröffentlichung der beiden DVD-Boxen im Jahr 2009 veröffentlicht. Da er besser geschnitten ist, habe ich diesen Trailer trotz der schlechteren Bild- und Tonqualität vorgezogen. Die DVDs sind qualitativ einwandfrei!

8 DVD in einem Amaray-Case mit Wende-Inlay (inwendig ohne FSK-Logo)
Laufzeit: ca. 1471 Minuten
Bildformat: PAL 4:3
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Sprache: Deutsch
Ländercode: 2 (Europa)
FSK: freigegeben ab 6 Jahren

DVD kaufen

Amazon.de bietet die Serie aktuell (12/2019) zum Preis von 33,99 Euro an. In der Box sind alle 60 Folgen auf 8 DVDs enthalten. Bitte das folgende Bild für weitere Informationen anklicken.

Szenenfotos aus den Folgen 15 – 22

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